Totalschaden!
Ende März brachten wir unser Wohnmobil in eine Werkstatt mit Hebebühne, um die Spur einstellen zu lassen und den jährlichen TÜV für Fahrzeuge mit Lkw-Zulassung durchführen zu lassen. Außerdem wollten wir das Wohnmobil für die kommende Saison startklar machen.
Einige Tage später erhielten wir einen Anruf von der Werkstatt mit einer erschreckenden Nachricht: Eine Reparatur sei nicht möglich. Der Werkstattmeister teilte uns mit, dass der gesamte Boden des Fahrzeugs durchgerostet sei. So etwas habe er in seiner Laufbahn noch nie gesehen. Besonders schockierend war für uns, dass das Fahrzeug im Vorjahr noch ohne Mängel die TÜV-Prüfung bei der DEKRA bestanden hatte.
Nachdem wir vergeblich versucht hatten, den Verkäufer des Wohnmobils zu kontaktieren – sowohl telefonisch als auch per E-Mail (unsere E-Mail wurde sogar blockiert) – entschieden wir uns, eine DEKRA-Besichtigung vor Ort durchführen zu lassen. Leider teilte uns die DEKRA mit, dass sie in diesem Fall nicht zuständig sei. Der TÜV-Bericht des Fahrzeugs war fehlerfrei, was uns zusätzlich verunsicherte.
Daraufhin kontaktierten wir die DEKRA in Stuttgart, erhielten jedoch auch dort die Information, dass sie nicht zuständig sei. Zuständig wäre der Verkäufer, der gegen die DEKRA klagen könnte.
In der Folge schalteten wir einen Rechtsanwalt ein. Der Anwalt des Verkäufers argumentierte, dass das Wohnmobil „wie besehen“ gekauft worden sei, weshalb wir keinen Anspruch auf Rückabwicklung oder Entschädigung hätten. Unser eigener Anwalt, der aus Süddeutschland stammt, untersuchte das Wohnmobil vor Ort und setzte sich erneut mit dem Anwalt der Gegenseite in Verbindung. Er drohte mit einer Klage, woraufhin uns zunächst ein Vergleichsangebot von 1.000 Euro unterbreitet wurde. Dieses lehnte unser Anwalt jedoch ab und plante, die Klage einzureichen.
Daraufhin erhöhte die Gegenseite das Angebot auf 10.000 Euro. Nach sorgfältiger Überlegung stimmten wir diesem Vergleich zu. Das Wohnmobil, das sich mittlerweile wieder in einer Halle befand, wurde vom Verkäufer abgeholt. Er erklärte uns, dass seine Tochter die 10.000 Euro zahlen werde. Wir machten dabei ausdrücklich klar, dass das Fahrzeug dringend in die nächste Werkstatt gebracht werden müsse, da es aufgrund seines Zustands lebensgefährlich sei. Die Tochter tat uns leid, denn es war offensichtlich, dass die Reparatur – insbesondere ein möglicher Austausch des gesamten Fahrgestells – mit enormen Kosten verbunden sein würde.
Unsere E-Mail an die Dekra:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin mit Mitglied in einem Oldtimerclub und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Mitglieder sind sich darüber einig, dass ich den nachfolgenden Fall öffentlich machen soll, obwohl ich davon persönlich betroffen bin.
Im Juli 2022 habe ich privat in Hannerau-Hademarschen ein Wohnmobil der Marke Niesmann- Bischoff gekauft. Ich habe mich auf die HU Bescheinigung von der Dekra verlassen in der steht:
Fest gestellte Mängel: -D8.4.1b (GM) Umweltbelastung: Motor Ölfeucht.
Hinweise: -Spurstangengelenk (Kopf) beginnendes Spiel.
Meine Familie und ich sind ca. 2000 km gefahren. Im Oktober wurde das Fahrzeug ins Winterquartier gebracht, kurz davor platzte die Bremsleitung.
Im April wurde das Fahrzeug direkt aus dem Winterquartier zur Werkstatt gebracht um das Spurstangengelenk einzustellen und HU (Dekra).
Der Werkstattbesitzer rief uns an und teilte mit, sehr, sehr große Mängel, der Rahmen durch gerostet und vieles mehr, da kann ich nichts machen.
Telefonate (sehr unschöne) mit der Dekra in Kiel.
Ein unabhängiger Gutachter hat die Schäden dokumentiert. Bilder sende ich Ihnen gerne zu.
Ein ehemaliges Mitglied von uns (TÜV) hat sich die Bilder angeschaut. Lebensgefährlich war sein Kommentar, das muss Du öffentlich machen, sieht nach Gefälligkeit aus.
Die Aussage von meinem Nachbar (Prof.Dr. Ing), der auch Mitglied in unserem Club ist, der Rahmen kann niemals in so kurzer Zeit durchrosten, rechnerisch unmöglich.
Bevor ich den Sachverhalt öffentlich mache (Internetseite, Oldtimerzeitschriften usw. bitte ich um Ihre Stellungnahme.
Ich bedanke mich im Voraus, wünsche Ihnen einen schönen Tag und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Brigitte Taube
Laut telefonischer Nachfrage ist der Prüfort Hannerau-Hademarschen Mannis Werkstatt nur in Kiel gelistet. Im Kreis Sl-Fl und bei Ihnen in Stuttgart wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass der Prüfort für Wohnmobile über 3,5 Tonnen in Hemmingstedt ist.